Was ist eine ISDN-Telefonanlage?

ISDN-Anschlüsse gibt es in Deutschland seit 1997. Gegenüber der analogen Telefonie können beim „Integrierten Sprach- und Datennetz — ISDN“ Telefon und Fax parallel genutzt werden. Wird auf einem Kanal telefoniert, ist ein zweiter für Telefonieren, Faxen oder Surfen frei. Zudem können bis zu zehn Rufnummer pro Anschluss vergeben werden.

Die ISDN-Telefonanlage erleichtert Nutzern wesentlich das Handling. Sie ist flexibler und die Arbeitsschritte sind leichter zu handhaben als beim analogen Modell. Besonders für Unternehmen, die unter verschiedenen Durchwahlen erreicht werden müssen, ist die ISDN-Technik interessant. Daneben sind viele Funktionen wie etwa Rufnummernunterdrückung, kundenspezifische Rufnummernanzeige, Anrufumleitung oder Rufnummernidentifikation trotz Unterdrückung möglich.

Wie funktioniert eine ISDN-Telefonanlage?

Beim ISDN-Telefonanschluss werden die Daten komplett digital übertragen. Das bedeutet, dass bei ISDN-Telefonie eine bessere Sprachqualität und Signalübertragung gewährleistet wird als beim analogen Anschluss. Das gehäuft auftretende Rauschen bei der analogen Telefonie wurde durch ISDN erheblich minimiert. Jedoch ist das Anschließen einer ISDN-Telefonanlage komplizierter, denn hierfür ist ein Netzabschlussgerät nötig.
Mit dem Netzabschlussgerät wird die Telefonanlage verbunden. Und an diese werden alle benötigten Endgeräte wie etwa Telefone oder Faxgeräte angeschlossen. Bei einigen ISDN-Anlagen lassen sich sowohl analoge- wie auch ISDN-Telefone anschließen. Einstellungen werden über die Anlage vorgenommen. Ein DSL-Splitter wird mit dem Router verbunden, um einen Zugang zum Internet zu ermöglichen.

Arten von ISDN-Anschlüssen: Basis- und Primärmultiplexanschluss

Zwei Anschlussarten sind bei ISDN möglich. Den Basisanschluss nutzen vor allem Endkunden. Er ist ein Mehrgeräteanschluss und gilt als Standardanschluss an das digitale Netz. Sein Einsatzgebiet waren bis dato Privathaushalte und kleinere Unternehmen. Dem Nutzer stehen zwei Kanäle mit je 64 kbit/s Übertragungsgeschwindigkeit zur Verfügung: einer für die Telefonie, der andere zur Datenübertragung. Der Primärmultiplexanschluss findet in größeren Unternehmen Verwendung, da er über sechzehn bis dreißig Kanäle mit einer Übertragungsrate von je 64 kbit/s sowie einem Signalisierungskanal und einem Synchronisationskanal verfügt.

ISDN-Abschaltung

An die dreißig Jahre hatte ISDN seine Glanzzeit. Jetzt ist der Zeitpunkt für etwas Neues: für die Umstellung auf das IP-Netzwerk. Es war angedacht, dass die Telekom bis Ende 2018 alle ISDN-Anschlüsse abschaltet. Bis 2022 wird es definitiv in Deutschland kein ISDN mehr geben. Die Umstellung läuft bereits auf Hochtouren.
Die ISDN-Technik nimmt ihren Abschied und es wird dafür keine Ersatzteile sowie keinen Service mehr geben. Das war die Aussage von Klaus Müller von der Telekom in einem Interview mit dem Handwerksblatt. Die Telekom hat zudem an Privatkunden sowie mittelständischen Unternehmen, die sich bezüglich der Umstellung geweigert haben, bereits Kündigungen verschickt.
Die Umstellung steht schon seit längerem und unwiderruflich fest. Ein Hinauszögern ändert nichts am eigentlichen Vorhaben. Unwillige können zwar ihren Telekommunikationsanbieter wechseln, aber dies wird nur von kurzer Dauer sein. Denn andere Anbieter werben ebenfalls damit, ISDN nur noch bis ins Jahr 2022 anzubieten. Danach ist ISDN dort auch Geschichte.
Da die Umstellung auf das IP-Netzwerk beschlossen ist und allmählich alle Anbieter nachziehen, ist es ratsam, die angebotenen Optionen zu überdenken. Die IP-Umstellung stellt auf jeden Fall eine Verbesserung dar. Zudem ist das ISDN-Netz veraltet und Anbieter bauen schon seit Längerem ein zweites Netz für das Internet auf. Diese Parallele verursacht aber unnötige Kosten.

Welche Möglichkeiten gibt es nach der Abschaltung von ISDN?

Um einen reibungslosen Umstieg zu gewährleisten, sollten vor allem Unternehmen nicht die IP-Umstellung hinauszögern. Es ist wichtig, sich zeitnah damit auseinanderzusetzen. Die Bedienung des IP-Netzwerkes ist zwar einfach und die Vorteile sind groß, jedoch müssen Mitarbeiter den ordnungsgemäßen Umgang mit der Innovation erst erlernen.
In größeren Firmen dauert eine Umstellung meist etwas länger. Sie können jedoch durch mehr Kapazität, Leistung und Benutzerfreundlichkeit im Netz profitieren. Was für ein Unternehmen die beste Wahl ist, hängt davon ab, ob es im Besitz einer stationären Telefonanlage ist oder nicht. Wahlweise stehen SIP-Trunking oder eine Cloud-Telefonanlage zur Disposition.

SIP-Trunking

Unternehmen fragen sich berechtigterweise was mit ihren Telefonanlagen nach der ISDN-Abschaltung passiert. Kein Grund zur Panik! Firmen, die schon eine Telefonanlage im Unternehmen besitzen, können diese theoretisch weiterverwenden. Für diese Unternehmen eignet sich eventuell SIP-Trunking. Dafür ist es erforderlich, dass die Telefonanlage VoIP-fähig ist oder gegebenenfalls mit vergleichbaren Adaptern nachgerüstet werden kann.
VoIP ist die Abkürzung „Voice over IP“ und bezeichnet die Übertragung von Sprachsignalen über das IP-Netzwerk. Der Gesprächsaufbau wird dabei von SIP-Servern (Session Initiation Protocol) möglich gemacht. Die Telefonanlage wird via SIP-Trunk an das Internet angeschlossen. SIP-Trunk verbindet eine VoIP-fähige Telefonanlage mit einem Telefon-Provider. Alle Einstellungen werden wie gewohnt an der Telefonanlage realisiert.

Mit einer Cloud-Telefonanlage werden stationäre Telefonanlagen dann überflüssig. Nötig ist dafür ein Internetanschluss mit ausreichender Bandbreite. Kunden wählen einen Provider aus, über den sie alle Dienste über das Internet beziehen. Die Telefonanlage wird über eine Benutzeroberfläche im Internet bedient. Der Anschluss der IP-Endgeräte erfolgt über den Router an das Netz.

Die Cloud-Anlage verfügt über eine Menge Features wie etwa Besetztlampenfelder, Faxen per App oder Interactive Voice Response (IVR). Sie wird aus der Cloud in verschiedenen Rechenzentren gehostet. Das macht sie ausfallsicher. Wartung und Sicherheitsupdates sowie Erweiterung der Funktionen übernimmt der Anbieter. Techniker zur Wartung oder Integrierung der neuesten Sicherheitsfeatures sind für den Nutzer passé.