Was ist ein SIP-Telefon?

Ein SIP-Telefon verwendet die Netzwerk-Protokolle SIP (Session Initiation Protocol) und das RTP (Real-Time Transport Protocol) zum Einrichten und Verwalten von Telefonanrufen. Die Sprachsignale werden über ein IP (Internet Protocol)-Netzwerk übertragen. Da das SIP zu den VoIP-Protokollen (Voice over Internet Protocol) gehört, werden SIP-Telefone oft auch als VoIP-Telefone bezeichnet.
Bei SIP-Telefonen wird die Verbindung über die bestehende Internet-Infrastruktur aufgebaut, daher ist ein herkömmlicher Telefonanschluss nicht nötig. Die Verbindung mit dem Netzwerk erfolgt entweder über Ethernet mit einem entsprechenden Kabel, oder kabellos über WLAN. SIP-Telefone nutzen das Netzprotokoll SIP, um die Telefonverbindung aufzubauen, aufrechtzuerhalten und abzubrechen. Sie können in zwei Hauptkategorien eingeteilt werden: Hardphones und Softphones.
SIP Telefonie

SIP Hardphones

Hardphones unterscheiden sich optisch sowie in ihrer Bedienung kaum von herkömmlichen Telefonen. Die Hardware besteht jedoch im Gegensatz zu anderen Telefonen aus netzwerkfähigen Komponenten, die die Datenübertragung im Internet ermöglichen. Das Hardphone stellt über Ethernet oder WLAN eine Verbindung zu einem IP-Netzwerk her. Die Anbindung an einen VoIP-Provider ist notwendig, um die SIP-Telefonie nutzen zu können.
Schnurlose Hardphones verwenden eine kabellose Technologie namens DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunications), die es dem Telefon erlaubt, mit einer Basisstation zu kommunizieren. Die Basisstation verwendet dann die SIP-Telefon-Technologie zur Herstellung der IP-Verbindung. Hardware-basierte SIP-Telefone verfügen je nach Modell über unterschiedliche Funktionen, wie Telefonbücher, Konferenztelefon, Weiterleiten, Halten, Rückruf, Makeln und BLF (Besetztlampenfeld).
SIP telefonen

SIP Softphones

Wie der Name schon sagt, ist das Softphone ein Software-Programm mit Telefonie-Funktionen. Ein Softphone verwendet, ebenso wie das Hardphone, SIP(Session Initiation Protocol) und RTP (Real-Time Transfer Protocol) für die Herstellung der Verbindung und die Sprachübertragung. Softphone-Programme können von allen Endgeräten ausgeführt werden, einschließlich Desktop-Computer (Windows, Linux, Mac), Tablets (Android, iOS) und Smartphones (Android, iOS).
Voraussetzungen für die Nutzung von Softphones sind eine Internetverbindung zu einem VoIP-Provider oder einem SIP-Server sowie ein Endgerät, das mit einem Mikrofon und Lautsprecher oder einem Headset ausgestattet ist. Das Softphone ermöglicht eine ortsunabhängige Nutzung mit vielfältigen Funktionen. Man kann das Softphone etwa so einrichten, dass man auch von unterwegs unter seiner Büro-Rufnummer erreichbar ist.
SIP-Telefone nutzen die High-Definition-Voice Technologie, wodurch die Sprachqualität im Allgemeinen deutlich besser ist als bei herkömmlichen Festnetz-Verbindungen. Allerdings müssen zur Nutzung dieser Technologie beide Gesprächspartner über ein IP-Telefon verfügen. Außerdem muss der Router die HD-Voice Technologie unterstützen. SIP-Telefone sind einfach einzurichten und viele Anbieter stellen eine Autoprovisionierung zur Verfügung, wobei das Endgerät automatisch die richtigen Einstellungen erhält.

Was ist das SIP?

Die klassische Telefonie funktionierte mit Strom über Kupferkabel und war standardisiert. Man konnte jedes beliebige Telefon anschließen und war in der Lage, mit jedem anderen Teilnehmer zu telefonieren. Mit der Digitalisierung und dem Aufkommen der Internettelefonie ist die Situation aber komplizierter geworden, denn die Anbieter verwenden unterschiedliche Geräte und Systeme.
Um einen Ausweg aus dieser für den Konsumenten ärgerlichen Situation zu finden, hat die Internet Engineering Task Force mit dem Session Initiation Protocol (SIP) einen Standard für digitale Kommunikation geschaffen. Es handelt sich dabei um ein Netzwerkprotokoll, das den Aufbau, die Steuerung und den Abbau einer Verbindung regelt. Es existiert in einer verschlüsselten und unverschlüsselten Form.

Warum sollte man das SIP verwenden?

Das SIP ermöglicht dem Konsumenten die Telefonie über ein Netzwerk oder das Internet. Dies ist in der Regel kostenlos, auch bei internationalen Gesprächen, solange die andere Seite ebenfalls über das SIP verbunden ist. Der Benutzer bezahlt lediglich die Gebühr für den Internetanschluss, der aber in der Regel schon vorhanden ist.

Firmen können das SIP, zusammen mit einer entsprechenden Telefonanlage, für ein internes Telefonnetz nutzen. Auch in diesem Fall können externe Telefonate kostenlos über das SIP geführt werden, man kann die Telefonanlage aber auch mit dem herkömmlichen Telefonnetz verbinden. Dann sind zwar keine kostenlosen Gespräche mehr möglich, man kann dafür normale Telefonate führen.

Wie funktioniert das SIP?

Um das SIP zu benutzen, benötigt man ein entsprechendes Telefon, eine App für das Mobiltelefon oder ein Programm für den Computer. Damit erhält man eine SIP-Adresse, über die man erreicht werden kann. Sie ist einer E-M
ail-Adresse nicht unähnlich und besteht aus einem Benutzernamen und einer Domain, verbunden mit einem Affenschwanz.
Die Telefonverbindung wird beim SIP über einen Registrar-Server aufgebaut, der die beiden Teilnehmer miteinander verbindet. Oftmals sind auch noch Proxy- und Redirect-Server involviert. Bei den meisten Angeboten muss sich der Anwender aber nicht um die technischen Details kümmern, sondern nur die Nummer oder den Benutzernamen eingeben und kann dann sofort mit dem Telefonieren beginnen.

Was benötigt man zur Kommunikation über das SIP?

Grundlage für die Verwendung des SIP ist ein kompatibles Telefon. Dies kann entweder ein physisches Gerät aber auch ein Stück Software auf einem Mobiltelefon, Tablet oder Computer sein. Außerdem benötigt man eine SIP-Adresse, welche einer Telefonnummer entspricht. Diese erhält man in der Regel automatisch und kostenlos vom eigenen Anbieter.
Um tatsächlich telefonieren zu können benötigt man außerdem eine ausreichend schnelle Internetverbindung, idealerweise mit unbeschränktem Datenvolumen. Insbesondere bei Videogesprächen werden nämlich große Datenmengen benötigt. Ist die Verbindung zu langsam, kommt es zu Qualitätseinbußen. Nicht zuletzt benötigt man auch jemanden, den man anrufen kann. Idealerweise verfügt diese Person ebenfalls über ein SIP-Telefon.

SIP für Unternehmen

Auch für interne Telefonnetze in Unternehmen ist das SIP bestens geeignet. Die meisten Telefonanlagen unterstützen das Protokoll oder können nachgerüstet werden. Selbst die meisten kostenlosen Varianten und sogar virtuelle Telefonanlagen in der Cloud bieten diese Möglichkeit. Nach extern ist die Kommunikation über das SIP ebenfalls möglich, die meisten Firmen verwenden jedoch einen regulären Telefonanschluss.

Gerade für Unternehmen ist es hilfreich, dass das SIP ein Quasi-Standard ist, der von den meisten Hard- und Softwareherstellern unterstützt wird. Sie sind in der Lage, Geräte anzuschaffen, die ihren Bedürfnissen exakt entsprechen. Die vielen Anbieter sind auch ökonomisch ein Vorteil. So sind die Preise für SIP-Hardware in der Regel niedriger als für vergleichbare Systeme.

Offene Alternativen zum SIP

Obwohl sich das SIP in den letzten Jahren zum Quasi-Standard entwickelt hat, ist es bei Weitem nicht der einzige Kommunikationsstandard für digitale Telefonie. Der erste IP-Telefoniestandard war H.323, der von der Internationalen Fernmeldeunion entwickelt wurde. Er basiert auf dem ISDN-Protokoll und ermöglicht darum eine einfache Anbindung ans herkömmliche Telefonnetz.
Ebenfalls von der Internationalen Fernmeldeunion, in Zusammenarbeit mit der Internet Engineering Task Force, wurde das Media Gateway Control Protocol H.248 entwickelt. Anders als SIP wird es von einer zentralen Vermittlungseinheit gesteuert. Auch zahlreiche Unternehmen haben Standards mit Open Source veröffentlicht. Sie erhoffen sich davon, dass andere Hersteller ihren Standard übernehmen und verbreiten.

Kommerzielle Alternativen zum SIP

Manche Anbieter entwickeln auch ihre eigenen Protokolle für die digitale Telefonie. Diese sind in der Regel nicht mit den Open-Source-Standards kompatibel und funktionieren daher nur mit der Hard- und Software des Unternehmens. Dafür bieten sie aber meist zusätzliche Funktionen, mit denen sie sich von der Konkurrenz unterscheiden.
Ein Beispiel für einen proprietären Standard für die IP-Telefonie ist das Skinny Client Control Protocol. Es bietet eine gewisse Kompatibilität mit H.323, MGCP und SIP, so dass es in vielen Netzwerken funktioniert. Allerdings steht dann nicht der gesamte Funktionsumfang zur Verfügung. Andere proprietäre Standards sind MiNET oder das Skype Protokoll.